Dresden und sein Militär - Auszüge aus der Dresdner Chronik

Die Dresdner Wachparade

 

(nach "Ein Stück Dresdner Garnisongeschichte von E. Schurig") Teil 1

 

Seit 400 Jahren ist Dresden die Residenzstadt der sachsen-albertinischen Fürsten und da die Stadt zugleich bis 1816 eine nicht unbedeutende Festung war, um deren Besitz sich im Siebenjährigen Krieg sowohl, als auch 1813 schwere Kämpfe abgespielt haben, und da sie ferner bis zum heutigen Tages ein wichtiger Waffenplatz gewesen und gegenwärtig mit einer ständigen Besatzung von ungefähr 11 000 Mann als eine der stärksten Garnisonen im Reiche gilt, so spiegelt sich in ihrer mehrhundertjährigen Garnisongeschichte nicht nur ein gut Teil der Stadt-, sondern auch der Landes- und Armeegeschichte wieder.

 

 

 

Eine Garnisongeschichte findet ihre anschaulichste Illustration in der Wachtparade, jenem militärischen Schauspiel, das von alters her auch in Dresden einen charakteristischen Teil des Garnisonlebens bildete und im Laufe der Zeiten einen reichen Wechsel in seiner äußeren Gestaltung erfuhr. Die Dresdner Wachtparade hat also nicht minder ihre interessante Geschichte wie die Berliner und Potsdamer, wenn sie auch deren historisch-sprichwörtliche Bedeutung nicht erlangt hat. Während die Bewachung der Festung Dresden bis zum Jahre 1587 vorwiegend in den Händen der wehrhaften Bürgerschaft lag, erhielt die Stadt in diesem Jahre die erste ständige Garnison in vorläufiger Stärke von 100 Mann, welche "Unter-Guardia" genannt und gelb uniformiert wurden. Eine erhebliche Verstärkung erfuhr die Garnison erst von 1683 ab durch fest organisierte Truppenteile der vom Kurfürst Johann Georg III. neu geschaffenen Armee. Die Dresdner Wachparade dieser Zeit setzte sich im täglichen Aufzug zusammen aus den Schweizern und Trabanten, welche als kurfürstliche Haustruppen speziell den Schloßwachdienst versahen, ferner aus einer Abteilung der "Leibkompagnie zu Fuß", einer Kompanie der Unterguardia und aus der Büchsenmeisterwacht. Letztere, der Stamm der heutigen sächsischen Artillerie, waren zunftmäßig gelernte Artilleristen zur Bedienung der Geschütze der Festung. Die damalige Wachtparade stellte sich am Jüdenhofe vorm Regimentshause, der Wohnung des Stadthauptmanns, und marschierte von hier mit Musik und fliegender Fahne unter dem Kommando des Platzmajors ins Schloß, von wo aus sich dann die übrigen Wachtabteilungen nach ihren Waffenplätzen begaben. Der Aufzug erfolgte nachmittags gegen 3 Uhr, nur an hohen Festtagen wechselten die Wachen bereits früh 7 Uhr.

 

Eine Parademusik nach heutigen begriffen gab es damals freilich noch nicht. Schon aber belebten Trommler und Pfeifer unter Vorantritt eines "Regimentstrommelschlägers" (seit 1635) den Wachtaufzug, bis nach den türkischen Feldzügen von 1683 und 1688 die Dresdner Festungsgarde und jedes Regiment zu Fuß ein besonderer Musikchor von 4 bis 8 "Schallmeyern" - neben den Kompanie Spielleuten - erhielt, aus denen dann später die Janitscharen- und Hautboistenchöre hervorgingen. Letztere wurden unter den prachtliebenden Kurfürsten August II. und August III., wie alle Teile der Armee, nach französischen Mustern glänzend ausgestattet. Bis 1742 trugen sie die "Hoflivrey" (gelb und blau), von da ab Röcke und Doublüre in der Farbe umgekehrt zur Regimentsuniform. In der Dresdner Leibgrenadiergarde waren sogar Mohren als Beckenschläger beim Musikchor eingestellt.